über_wunden

Reaktorhalle München Schloss Dachau

Mai 2022

Im Gebäude des sogenannten ‚Führerbaus‘ überschneiden sich Geschichte und Gegenwart der Münchner Musikhochschule auf besondere Weise: Als Ort der Macht steht er für den totalen Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten. Deren radikale Kultur- und Verfolgungspolitik traf auch tausende jüdische Musikerinnen und Musiker, darunter viele frühere Studierende der Musikhochschule. Bis heute ruft die Überwältigungs- und Einschüchterungsarchitektur diese Vergangenheit schmerzhaft ins Bewusstsein – eine offene Wunde im Zentrum Münchens.

Das Konzert macht die Musikhochschule selbst zum Schauplatz der Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit. Es stellt die Frage, wie wir heute künstlerisch mit der Geschichte und der Bedeutung des Ortes umgehen können. Lieder ehemaliger und verfolgter Schüler der Hochschule schlagen einen Bogen zur damaligen Zeit und werden mit zeitgenössischer Musik in einen Dialog mit unserer Gegenwart gebracht. Zusammen mit den Lebenserinnerungen von Lola Sinz (geb. Kronheimer) – ebenfalls eine ehemalige Schülerin der Hochschule – zeugen sie von den katastrophalen Folgen der NS-Herrschaft und den oft traumatischen Erfahrungen für Künstlerinnen und Künstler, stehen aber auch für deren Überwindung.

Programm

Max Ettinger (1874–1951), Jiddisch Requiem (1948)

  • 5 Mir sajn’n gekumm’n

 

Paul Ben-Haim (1897–1984), A Star Fell Down (1970)

  • 1 My Mind Wasn't Set On The Matter
  • 2 A Star Fell Down
  • 3 At Sundown

 

Herbert Fromm (1905–1995), Yemenite Cycle (1977)

  • Introduction
  • Yom zeh l’Yisrael (This Day for Israel)
  • Shalo levo Shabbat (Peace to you, oh Sabbath) 

 

Walter Braunfels (1882–1954), Auf ein Soldatengrab op. 26 (1915)

 

Max Ettinger (1874–1951), Jiddisch Leben (1943)

  • Der Becher

 

Heinrich Schalit (1886–1976), Seelenlieder (1921)

  • 2 Ruhig, ruhig liebe Seele...
  • 3 Jeder Morgenstern im Osten
  • 5 Tröste Dich in Deinen Nöten

 

Karl Amadeus Hartmann (1905–1963), Lamento (1936/37, rev. 1955)

  • Friede

 

Danielle Lurie (*1994), Hipasti Ben-Adam („Ich habe einen Menschen gesucht“) (2022, Uraufführung)

Kantate mit SolistInnen, Chor und Kammerensemble nach Texten von Hannah Szenes, Ya?a?ov Barzilai, Dan Pagis

 

Mit Texten aus einem Zeitzeugeninterview mit Lola Sinz (geb. Kronheimer).

 

Mitwirkende

Sopran: Susanne Kapfer, Sol Lee, Lisa Orthuber

Mezzosopran: Julie Catherine Eggli, Verena Kronbichler

Tenor: Luca Gotti, Peter Listl

Bariton: Daniel Di Prinzio-Schmitt

Bass: Manuel Winckhler

Flöte: Jasmin Binde

Percussion: Moritz Knapp, Cristina Lehaci

Klavier: Henri Bonamy, Anna Gebhardt, YuWen Huang, Yen-Ting Wang

Sprecherin: Julie Catherine Eggli

 

Gesamtleitung, Moderation: Tobias Reichard

Projektentwicklung, Konzeption: Waltraud Lehner, Tobias Reichard

Musikalische Leitung: Henri Bonamy

Szenische Einrichtung, Inspizienz: Pauline Decker

Studentische Hilfskräfte: Elisabeth Freyhoff, Adrian Fritsche

Gesamtprojektleitung ‚s p u r e n‘: Alexandra Hermentin

Fotografien: Jakob Schad