Uraufführung "s p u r e n" - Münchner Biennale

Man bekommt bei der Biennale nicht einfach nur etwas vorgesetzt, man nimmt teil. Am stärksten vielleicht bei "Spuren", einer Produktion der Musikhochschule in deren Keller. Das Gebäude errichteten einst die Nazis als "Führerbau", der Keller ist ein Bunker, und nun begegnet man dort Sängerinnen in höchster emotionaler Not, in Ausnahmezuständen, sehr nah und doch sehr entrückt - ein Erlebnis, dass auch ohne die derzeitigen Weltgeschehnisse beklemmend wäre, nun aber vollends packt. (SZ - Egbert Tholl, 16. Mai 2022)


© Armin Smailovic


über_wunden

Im Gebäude des sogenannten ‚Führerbaus‘ überschneiden sich Geschichte und Gegenwart der Münchner Musikhochschule auf besondere Weise: Als Ort der Macht steht er für den totalen Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten. Deren radikale Kultur- und Verfolgungspolitik traf auch tausende jüdische Musikerinnen und Musiker, darunter viele frühere Studierende der Musikhochschule. Bis heute ruft die Überwältigungs- und Einschüchterungsarchitektur diese Vergangenheit schmerzhaft ins Bewusstsein – eine offene Wunde im Zentrum Münchens.

Das Konzert macht die Musikhochschule selbst zum Schauplatz der Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit. Es stellt die Frage, wie wir heute künstlerisch mit der Geschichte und der Bedeutung des Ortes umgehen können. Lieder ehemaliger und verfolgter Schüler der Hochschule schlagen einen Bogen zur damaligen Zeit und werden mit zeitgenössischer Musik in einen Dialog mit unserer Gegenwart gebracht. Zusammen mit den Lebenserinnerungen von Lola Sinz (geb. Kronheimer) – ebenfalls eine ehemalige Schülerin der Hochschule – zeugen sie von den katastrophalen Folgen der NS-Herrschaft und den oft traumatischen Erfahrungen für Künstlerinnen und Künstler, stehen aber auch für deren Überwindung.



Termine 2022

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Musiktheater-im-Reaktor 2021

"Die Zauberflöte" ab sofort online im Video-Stream (1. Besetzung: Aufnahme vom 14. Mai 2021)

 


Musiktheater-im-Reaktor 2021

"Die Zauberflöte" ab sofort online im Video-Stream (2. Besetzung, Mittschnitt vom 12. Mai 2021)


Einsam in einer gespaltenen Welt

Was für ein Geschenk in diesen opernlosen Zeiten: "Die Zauberflöte" - frisch getestet, mit Maske und Abstand eine hochkarätige Hochschulproduktion.

Gespielt wird eine geschickt eingestrichene Dialogfassung, die davon erzählt, dass alle Figuren dieser Oper einsam und allein sind, stets auf der Suche und immer wieder in Abgründe blickend. (Klaus Kalchschmid, Süddeutsche Zeitung, 14. Mai 2021)


Die Zauberflöte

„Die Maschine ist kein es, das belebt, beseelt oder beherrscht werden müßte. Die Maschine sind wir […] Wir sind für die Grenzen verantwortlich, wir sind sie.“ (Donna Haraway: Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen)

Die wohl bekannteste Oper der Welt ist eine Verkettung abstruser Ereignisse. Tamino erhält in Mozarts Zauberflöte von der Königin der Nacht den Auftrag, ihre Tochter Pamina aus der Gefangenschaft Sarastros zu befreien. Schockverliebt in eine Bild, scheint er sich der Herausforderung in der Begleitung von Papageno anzunehmen. Doch wer beherrscht hier eigentlich wen? Wer behält die Fäden in der Hand und wer widersetzt sich der Machtmaschinerie? In unerwarteten Kippmomenten changieren Spiel und Grenzüberschreitung. Die Dualität von Gut und Böse gerät dabei ebenso ins Wanken wie Genderzuschreibungen und Beziehungshierarchien. In einer Gesellschaft, die von subtilen Machtgeflechten und Instabilität geprägt ist, gewinnt Mozarts Zauberflöte an neuer Aktualität. (Paulina Platzer)

 

 


Flashmob: ZIVILCOURAGE


SCHAU HIN DENK MIT HAB MUT ZEIG DICH

Ausgehend von Hendrick ter Brugghens Gemälde „Die Spieler“ stellte die Hochschule für Musik und Theater München am 13. April Szenen der Ausstellung „Utrecht, Caravaggio und Europa“ in der Alten Pinakothek mit Spielern, Trickbetrügern, Trinkern und Soldaten in der Münchner Innenstadt nach.

Zunächst sind die Kartenspieler des Gemäldes als Tableau vivant in einem leeren Rahmen zu sehen, in dem ein alter Spieler mit Brille von zwei Jungen betrogen wird. Ein Streit eskaliert, die Junge greifen zu den Waffen und ein spektakuläres Fechtduell findet mitten auf dem Odeonsplatz statt. Schließlich zieht sich ein großer Chor aus Studierenden der Hochschule und weiteren Eingeweihten um die Kartenspieler zusammen und rufen sie mit Beethovens „Ode an die Freude“ zur Versöhnung auf.

Weitere Shows:

MO 08. JULI | 11.30 | Marienplatz

SO 14. JULI | 15.00 | Kunstareal-Fest | Alte Pinakothek