Uraufführung "Wolf unter Wölfen"

Vorbericht SWR


Uraufführung "Wolf unter Wölfen"

Brodelndes Berlin 1923: Die Oper „Wolf unter Wölfen“ am Theater Koblenz

Vorbericht SWR 2


Inflation und Empathie

Uraufführung  "Wolf unter Wölfen"

 

Waltraud Lehner, die in Koblenz 2017 Eichbergs so ganz anders geartete Oper „Glare“ mit ihren dominanten Electro-Sounds herausragend inszeniert hat, erzählt die Geschichte ungeheuer spannend, mal als Psychothriller, mal als Historienstück, mal als Sozialdrama. Die Freiheiten, die Text und Musik ihr lassen, nutzt sie, um unaufdringlich Spiel-, Entstehungs- und Jetzt-Zeit ineinander zu blenden und so die Substanz aus Falladas Roman herauszuschälen – die Gier des Einzelnen nach Leben und Sieg. Dazu helfen die phantasievollen Kostüme von Dorothee Brodrück und Eva Martin genauso wie der variable Bühnenraum von Ulrich Frommhold.  Bei Frommhold besteht diese Fassade aus zwei Teilen, die aus- und gegen-einander gefahren werden können, so dass eine Vielzahl Innen- und Außenräume entstehen, die aber nie realistisch überformt werden. Vielmehr liegt Lehner spürbar daran, die Setzungen in Text und Musik zu schärfen, vor allem: die pointenstarken ironischen Einsprengsel zur Geltung zu bringen.

Waltraud Lehner stellt die hochkonzentriert spielenden, musikalisch so intensiv wie variantenreich gestaltenden Tobias Haaks und Danielle Rohr in einen Schutzraum, führt sie durch das Geschehen hindurch und trotzdem nebenher. Wir sind bei ihnen. Auch wenn sie sich verlieren. Denn das einzige, was hilft, ist Empathie. Behauptet diese großartige, vom außergewöhn-lichen Engagement alller Beteiligten getragene Produktion am Theater Koblenz so, dass man sich dem kaum entziehen kann. Häuser, die über ähnliche Ressourcen wie dieses erstaunliche kleine Haus am Mittelrhein verfügen, sollten „Wolf unter Wölfen“ nachspielen. Unbedingt! Zumal das Werk ein Publikum begeistern kann, wie die Uraufführung beweist. (DIE deutsche BÜHNE, 22.11.2019 - Andreas Falentin)   


Fallada zwischen „Cabaret“ und „Babylon Berlin“

Als wichtige Geburtshelferin der Uraufführung ist die Regisseurin Waltraud Lehner an Bord geholt. Sie animiert, das hat Koblenz wiederholt erlebt, die Sänger zu starken darstellerischen Leitungen. Und wie ihr Konzept die vielen Handlungsorte mit wenigen, geschickt umzubauenden Bühnenelementen (Bühnenbild: Ulrich Frommhold) zusammenführt, Hinterhofgosse und Straßenstrichtristesse ebenso leichthändig bedient wie verblassende Gutshofsburgeoisie, ist schon handwerklich ein Meisterstück, das den Abend temporeich ablaufen lässt. Bei den Kostümen schlagen Dorothee Brodrück und Eva Martin den großen Bogen von historischem Realismus bis zur Jetztzeit – wie auch schon eine Szene der Inszenierung der stets auf Wolfgang wartenden Petra einen Davidstern an den Mantel heftet und auf die Entstehungszeit des Romans und ihre Schrecken hinweist. Denn natürlich lassen die hier Text und Musik gewordenen Untergangszuckungen der Weimarer Republik heute unweigerlich an die Zeit denken, die danach kam und an die heute immer wieder, glücklicherweise meist als warnendes Beispiel, erinnert wird. (Rhein-Zeitung, 24.11.2019 – Claus Ambrosius)


Koblenz: Welt-Uraufführung von „Wolf unter Wölfen“ – „Babylon Berlin“ auf der Opernbühne

Zehn Minuten begeisterter Applaus für die Welt-Uraufführung von „Wolf unter Wölfen“ von Søren Nils Eichberg am 23.11.2019 in der Oper Koblenz!

Regisseurin Waltraud Lehner findet packende Bilder und eine überzeugende Personenführung um die Beziehungen zwischen den Personen abzubilden und die Übergänge ohne Brüche zu gestalten.
(Das Opernmagazin: 25.11.2019 - Detlef Obens)


Im Strudel der Hyperinflation 1923.

Die Oper “Wolf unter Wölfen” von Søren Nils Eichberg ist am Theater Koblenz uraufgeführt worden und sucht Parallelen zu Heute. (Klassikfavori: 27. 11.2019 - Sabine Weber)

Flashmob: ZIVILCOURAGE


SCHAU HIN DENK MIT HAB MUT ZEIG DICH

Ausgehend von Hendrick ter Brugghens Gemälde „Die Spieler“ stellte die Hochschule für Musik und Theater München am 13. April Szenen der Ausstellung „Utrecht, Caravaggio und Europa“ in der Alten Pinakothek mit Spielern, Trickbetrügern, Trinkern und Soldaten in der Münchner Innenstadt nach.

Zunächst sind die Kartenspieler des Gemäldes als Tableau vivant in einem leeren Rahmen zu sehen, in dem ein alter Spieler mit Brille von zwei Jungen betrogen wird. Ein Streit eskaliert, die Junge greifen zu den Waffen und ein spektakuläres Fechtduell findet mitten auf dem Odeonsplatz statt. Schließlich zieht sich ein großer Chor aus Studierenden der Hochschule und weiteren Eingeweihten um die Kartenspieler zusammen und rufen sie mit Beethovens „Ode an die Freude“ zur Versöhnung auf.

Weitere Shows:

MO 08. JULI | 11.30 | Marienplatz

SO 14. JULI | 15.00 | Kunstareal-Fest | Alte Pinakothek