Süddeutsche Zeitung , 19. Mai 2017 - Klaus Kalchschmid
REINE FREUDE

Alle gegen Einen: in der Reaktorhalle geht das ganze Ensemble nach der Pause des "Giulio Cesare in Egitto" witzig und präzise kollektiv fechtend auf den jetzt stummen Cäsar los (sonst agil präsent spielend und singend: Susan Zarrabi), während Bariton Niklas Mallman "Al lampo dell'armi - im Schein der blitzenden Waffen" mit viriler Verve von der hinteren Beleuchterbrücke singt. Die Titelpartie ist raffiniert geteilt, was in Waltraud Lehners kluger, prägnanter Inszenierung schillernd ausgereizt wird, etwa wenn ein Dacapo plötzlich männlichen Nachdruck bekommt oder die Stimmen sich wie zwei Seelen in einer Brust begegnen. Zum glücklichen Ende verschmilzt der substanzreiche Sopran Milena Bischoffs als Cleopatra mit Susan Zarrabis Mezzo, während in den dialogischen Partien des Duetts der Bariton eine Oktav tiefer mit dem Sopran kontrastiert.

Die Bühne (Ulrich Frommhold) ist abstrakt dem Korpus eines Streichinstruments nachempfunden. Dessen Öffnung wird zum Auge Cleopatras, wenn sie bei "V'adoro, pupille" Cäsar im Paradies erscheint - hoch oben zur Begleitung von Instrumenten plus sanftem Hackbrett, das fortan ihr Instrument wird. Katherina Kopp hat sie verführerisch kostümiert und auch sonst die allesamt exzellenten Sänger der Musikhochschule trefflich einkleidet: Neben Ansgar Theis (Curio), Ilme Stahnke (Nirena) und Frey Apfelstaedt (Tolomeo) überzeugen Carmen Artaza als hitzig flammender Sesto und Mirjam Künstner als seine über den Mord am Gatten musikalisch reiche Trauer tragende Mutter Cornelia. Der oberste ägyptische Feldherr Achilla ist beim stimmlich wie szenisch präsenten Bass Frederic Jost eine schillernde, erotisch wie emotional getriebene Figur.

Phänomenales leistet nicht zuletzt das kleine Barockorchester des Instituts für Historische Aufführungspraxis unter Leitung von Kristin von der Goltz. Es offenbart den Reichtum von Händels schönster und bester Oper mit einer Frische, Leuchtkraft und Präzision, dass es die reine Freude ist.

Münchner Merkur , 20. Mai 2017 - Gabriele Luster
ZUPACKEND, INNIG UND LEBENDIG

Der Auf­trieb an Mez­zo­so­pra­nis­tin­nen, den sich die Münch­ner Mu­sik­hoch­schu­le für ih­re Pro­duk­ti­on von Hän­dels Oper „Gi­ulio Cesa­re“leis­tet, ist be­ein­dru­ckend. Vom Cesa­re, den es auch in ei­ner Ba­ri­ton-Va­ri­an­te gibt, über Cor­ne­lia, ih­ren Sohn Ses­to bis hin zu To­lo­meo hal­ten die Mez­zi das Heft in der Hand. Wer nun glaubt, dass dies auf Dau­er ein­tö­nig klingt, der wird in den drei­ein­halb St­un­den zu­pa­cken­der Hän­del-In­ter­pre­ta­ti­on in der Re­ak­tor­hal­le im­mer wie­der über­rascht: Da fes­selt die un­ge­mein agi­le und apar­te Su­san Zar­ra­bi als fein­füh­li­ger, durch­aus ko­lo­ra­tur­si­che­rer Cesa­re, der auf­trump­fen kann. Mir­jam Künst­ner trau­ert als Cor­ne­lia um ih­ren to­ten Gat­ten Pom­peo mit schön ge­führ­tem, sam­ti­gem Mez­zo. Ei­nen wun­der­ba­ren Kon­trast da­zu bil­det die Leucht­kraft, mit der Car­men Ar­ta­za das Auf­be­geh­ren des jun­gen Ses­to stimm­lich be- glau­bigt. Das Mut­ter-SohnDu­ett ist ei­ner der schöns­ten Mo­men­te der mu­si­ka­lisch wie sze­nisch pa­cken­den Auf­füh­rung. Als vier­ter Mez­zo im Bun­de steu­ert Freya Apf­fel­sta­edt mit ih­rem dunk­len Tim­bre ei­ne wei­te­re Far­be bei und gibt dem To­lo­meo Pro­fil. Mit glit­zern­dem Ko­lo­ra­turso­pran und viel In­nig­keit, die gut zum fast mäd­chen­haf­ten, den­noch ko­ket­ten Auf­tritt der Cleo­pa­tra passt, singt Mi­le­na Bi­sch­off so­zu­sa­gen au­ßer Kon­kur­renz – im blau­en Glit­zer­kleid.

Ne­ben Ni­k­las Mall­mann, der mit ba­ri­to­na­ler Prä­senz den männ­li­chen Part des hier ge­spal­te­nen Cesa­re über­zeu­gend ver­tritt, im­po­niert Fre­de­ric Jost mit sei­nem noch so jun­gen und doch schon so mar­kant dunk­len Bass als ägyp­ti­scher Feld­herr Achil­la. Auch Il­me Stahn­ke als Ni­re­na und Ans­gar Theis als Cu­rio be­wäh­ren sich im vor­züg­li­chen Stu­den­ten-En­sem­ble. Dass sie al­le mu­si­ka­lisch bes­tens ge­tra­gen wer­den, da­für sorgt Kris­tin von der Goltz. Un­ter ih­rer Lei- tung ent­fal­tet das Ba­rock­or­ches­ter des In­sti­tuts für His­to­ri­sche Auf­füh­rungs­pra­xis das rei­che Far­ben- und Af­fek­ten­spiel in Hän­dels Mu­sik. Dass die jun­gen Sän­ger sich auch sze­nisch gut prä­sen­tie­ren, ist Wal­traud Leh­ner zu ver­dan­ken. Sie ent­wi­ckelt die Cha­rak­te­re und die ver­wor­re­nen Be­zie­hun­gen klug und le­ben­dig. Ein tol­ler Abend.

Ne­ben Ni­k­las Mall­mann, der mit ba­ri­to­na­ler Prä­senz den männ­li­chen Part des hier ge­spal­te­nen Cesa­re über­zeu­gend ver­tritt, im­po­niert Fre­de­ric Jost mit sei­nem noch so jun­gen und doch schon so mar­kant dunk­len Bass als ägyp­ti­scher Feld­herr Achil­la. Auch Il­me Stahn­ke als Ni­re­na und Ans­gar Theis als Cu­rio be­wäh­ren sich im vor­züg­li­chen Stu­den­ten-En­sem­ble. Dass sie al­le mu­si­ka­lisch bes­tens ge­tra­gen wer­den, da­für sorgt Kris­tin von der Goltz. Un­ter ih­rer Lei- tung ent­fal­tet das Ba­rock­or­ches­ter des In­sti­tuts für His­to­ri­sche Auf­füh­rungs­pra­xis das rei­che Far­ben- und Af­fek­ten­spiel in Hän­dels Mu­sik. Dass die jun­gen Sän­ger sich auch sze­nisch gut prä­sen­tie­ren, ist Wal­traud Leh­ner zu ver­dan­ken. Sie ent­wi­ckelt die Cha­rak­te­re und die verworrenen Beziehungen klug und lebendig. Ein toller Abend.

tz , 24. Mai 2017 - Gabriele Luster
Glänzender Abend

Der Auftrieb an Mezzosopranistinnen, die sich die Münchner Musikhochschule für ihre Produktion von Händels Oper Guilio Cesare leistet, ist beeindruckend. Vom Cesare (Susan Zarrabi), Cornelia (Mirjam Künstner), Sesto (Carmen Artaza) bis zu Tolomeo (Freya Apffelstaedt) bieten alle fesselnde Interpretationen. Jubel in der Reaktorhalle – zu Recht.

Dass diese vier und alle weiteren vorzüglichen Sängerinnen so glänzen können, liegt auch an der Dirigentin Kristin von der Goltz. Unter ihrer Leitung entfaltet das Barockorchester des Instituts für Historische Aufführungspraxis das reiche Farbenund Affekten-Spiel in Händels Musik, wobei immer wieder Solisten (darunter Horn und Fagott) Akzente setzen.

Auch szenisch dürfen die jungen Künstler glänzen. Das liegt an Waltraud Lehner: Auf meist leerer Bühne, vor einer schlichten Sperrholz-Fassade (Ulrich Frommhold) entwickelt sie die Charaktere und die verworrenen Beziehungen klug und höchst lebendig. Nicht ohne Witz und mit viel virtuoser Fechterei. Ein toller Abend!